Samstag, 29. August 2009

Hohlohsee auf dem Kaltenbronn


Genau genommen gibt es zwei Hohlohseen, den großen und den kleinen Hohlohsee. Die Besucher sehen heute nur noch den großen Hohlohsee vom Bohlenweg aus. Bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts führte der Westweg, der bekannteste Fernwanderweg des Schwarzwalds, noch direkt am kleinen Hohlohsee vorbei. Dieser Weg wurde aus Gründen der Besucherlenkung aufgegeben. Heute kann man diesen Weg nicht mehr erkennen.

Der Hohlohsee befindet sich nahe des höchsten Punkts der großen Buntsandsteinplatte zwischen dem Murg- und dem Enztal auf einer Höhe von 982 Meter. Die Wasserfläche der beiden Seen beträgt zusammengenommen 3 Hektar.


Vielleicht wird man hier stutzig. Seen befinden sich normalerweise in Senken und Mulden oder in Tälern. Wie konnte ein See auf einem Hochpunkt entstehen? Der Seetyp des Hohlohsees wird Hochmoorkolk genannt. Hier handelt es sich um wachsende Seen. Das Hochmoor wölbt sich immer weiter nach oben, indem ständig Pflanzen absterben und auf dem so entstehenden Torf sich weitere Pflanzen ansiedeln. An den Stellen, wo das Moorwachstum nicht ganz so stark ist wie in der Umgebung, kann sich Regenwasser sammeln und zu einem See ausbilden. Dieser See wird mit zunehmendem Moorwachstum in der Umgebung immer tiefer.

Nun haben wir es beim Schwarzwald nicht mit einer primären Wildnislandschaft zu tun, wie das z. B. bei vielen Gebieten des amerikanischen Westens immer noch der Fall ist. Der Mensch hat im Laufe der Jahrhunderte oder gar Jahrtausende immer wieder teilweise gravierend in die Natur eingegriffen. Auch der Hohlohsee wurde vom Menschen genutzt. Sein Wasser wurde weiter aufgestaut, um als Schwallsee für den Transport von Holz im Verlauf der Bäche und Flüsse zu dienen. Irgendwann einmal brach der Damm des Sees und das gesamte Wasser des Sees lief aus. Es gab auch - nicht erfolgreiche - Versuche, das Torf im Moor zu stechen.


Wegen der menschlichen Eingriffe der Vergangenheit musste beim Auslauf des großen Hohlohsees ein kleiner Damm gebaut werden. Nur so konnte man die natürlichen Verhältnisse wieder einigermaßen herstellen. Die Besucher sehen diesen Damm kaum. Er ist unter einer dicken Vegetationsschicht verborgen, die mit jedem umstürzenden Baum tiefer wird. So wird irgendwann einmal das Moor wieder soweit gewachsen sein, dass es eines Damms für den See nicht mehr bedarf.

Anders als beim nur wenige Kilometer entfernten Wildsee - ebenfalls ein Hochmoorkolk - ist die Umgebung des Hohlohsees nicht als Bannwald ausgewiesen. Der Moorbereich ist jedoch Naturschutzgebiet und ich habe im Moorbereich bisher keine forstwirtschaftlichen Eingriffe gesehen, die über die Maßnahmen zur Verkehrssicherung entlang des Bohlenstegs hinausgehen. Somit bieten sich beim Hohlohmoor ähnlich urtümliche Waldbilder wie in der Umgebung des Wildsees.


Am bequemsten zu erreichen ist der Hohlohsee vom höchsten Punkt der Straße zwischen dem Murgtal und dem Enztal (Reichenbach - Bad Wildbad) aus. Der dortige Parkplatz trägt die Bezeichnung "C". Mit der Bezeichnung gelbe Raute des Schwarzwaldvereins gelangt man vom Parkplatz ohne großen Höhenunterschied in 0,9 Kilometern zum Hohlohsee. Eine zweite Möglichkeit besteht mit Ausgangspunkt Kaltenbronn, das auf der Enztalseite des Straßenpasses liegt. Dort parkt man bevorzugt auf dem Parkplatz E. Mit der Bezeichnung rote Raute (Westweg) gelangt man in 0,8 Kilometern zum Hohlohsee, wobei hier ein größerer Höhenunterschied als beim Parkplatz C zu bewältigen ist.


Der Hohlohsee ist ein Hochmoorkolk. Er wird ausschließlich von Regenwasser gespeist.
 
Ein Bohlenweg führt durch das Moor beim Hohlohsee.

Immer wieder bieten sich in der Umgebung des Hohlohsees urtümliche Waldbilder.

Inmitten der Nadelbäume am Hohlohsee behautet sich ein Vogelbeerbaum.

Ein Bergkiefern-Fichten-Wald mit einer Kraut- und Heideschicht umgibt das Moor am Hohlohsee.

Die baumfreie Schwingrasenfläche um den Hohlohsee darf nicht betreten werden.

Die Pflanzen im Hochmoor beim Hohlohsee erhalten ihre Nährstoffe nur aus der Luft oder vom Regen. Eine Verbindung zu den Mineralien des Untergrunds besteht nicht.

Bei diesen Stimmungen könnte man sich nach Skandinavien versetzt fühlen.


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