Montag, 14. September 2009

Bannwald Hoher Ochsenkopf - Nägeliskopf




Im Bannwald Hoher Ochsenkopf - Nägeliskopf lässt sich Waldgeschichte hautnah erleben. Die Entwicklung des Waldes im Bereich des Hohen Ochsenkopfs lässt sich in die folgenden Phasen einteilen:

1. Die ursprüngliche Bewaldung mit einem Tannen-Buchen-Mischwald wird im 17. und 18. Jahrhundert beseitigt, um Platz für Weideflächen zu schaffen.
2. Der Gipfel des Hohen Ochsenkopfs ist vollständig kahl.
3. Die Weide wird gegen Ende des 19. Jahrhunderts zurückgenommen. Erste Latschen (Bergkiefern) siedeln sich an.
4. Die Weide wird aufgegeben. Immer mehr Fichten siedeln sich an.
5. Die schnellwachsende Fichte zwingt die Latschen dazu, sich im Konkurrenzkampf um Licht aufzurichten. Jedoch können die Latschen bei weitem nicht die Höhe der Fichtenstämme erreichen.
6. Die Latschenbäume verlieren den Konkurrenzkampf mit der Fichte und sterben ab.
7. Die Fichte gerät ab den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts selbst unter Druck. Der Borkenkäfer, Stürme und trockene Sommer sorgen dafür, dass nun auch die Fichte großflächig abstirbt.
8. Die weitere Entwicklung ist noch nicht sicher. Neben den Skeletten der abgestorbenen Bäume prägen zur Zeit Pionierbäume wie die Vogelbeere und erneut viele Jungfichten das Bild im Bannwald.


Beim Gang durch den Bannwald hinauf auf den Gipfel des Hohen Ochsenkopfs wagt man kaum zu sprechen oder zu atmen. Es ist wie ein Gang durch eine große feierliche Schlosshalle. Geschichte, in diesem Fall Waldgeschichte ist zum Greifen nah. Die Waldbilder sind hochdramatisch. Das Chaos ist kaum mehr zu überbieten. Zudem verfällt der Weg auf den Hohen Ochsenkopf immer mehr. So kommt man sich vor wie ein ungebetener Gast, der eine feierliche, ernste Gesellschaft stört.

Als ich in diesem Sommer mal wieder auf den Gipfel des Hohen Ochsenkopfs stieg, war ich teilweise im Zweifel, ob dies überhaupt noch zulässig ist. Ich meine jedenfalls, dass die Besteigung des Gipfels noch erlaubt ist, allerdings nur - wie vor Ort beschildert - in der Zeit zwischen dem 15. Juli und dem 1. November eines Jahres. Während der übrigen Zeit des Jahres ist das Gebiet wegen des Auerhuhnschutzes gesperrt. Und sollte eines Tages der Gipfelpfad nicht mehr erkennbar sein, wäre es tatsächlich aus mit der Gipfelwanderung. Denn der Bannwald darf nur auf den Wegen betreten werden.

Der Bannwald Hoher Ochsenkopf - Nägeliskopf befindet sich im Nordschwarzwald in der Nähe des Schwarzwald-Hauptkamms südlich des Tals von Herrenwies. Der Bannwald wurde im Jahr 1970 ausgewiesen und hat eine Fläche von 100,7 Hektar. Seine Höhenlage reicht von 970 bis 1050 Meter.
Man erreicht den Bannwald von der Straßenkreuzung Hundseck an der Schwarzwaldhochstraße aus. Mit der gelben Raute wandert man in 1,4 Kilometer zu den westlichen Dreikohlplatten und noch einmal 0,2 Kilometer zu den östlichen Dreikohlplatten. Von dieser Wegkreuzung hält man sich halblinks auf den Erdweg und geht ca. 1 Kilometer auf einem Bergkamm bis zum Beginn des Anstiegs auf die Gipfelkuppe und dem Beginn des Bannwalds. Dort geht man geradeaus weiter und auf immer schlechter werdendem Weg zum Gipfel hinauf.
Am Gipfel sieht man noch die Reste des früheren Aussichtsturms. Der Weiterweg hinab auf die andere Seite des Berges wächst mit großer Geschwindigkeit zu. Ich habe den Weiterweg in diesem Sommer gerade noch bewältigt, allerdings hatte ich schon Ortskenntnisse von früheren Begehungen. Vom Weiterweg muss ich dringend abraten. Somit sollte man auf demselben Weg wieder zurückgehen.
Der Bannwald Hoher Ochsenkopf - Nägeliskopf gehört zu den eindrucksvollsten Waldschutzgebieten in Baden-Württemberg.
 

Die Fichte ist zur Zeit die dominierende Baumart im Bannwald Hoher Ochsenkopf. Sie ist jedoch in weiten Bereichen im Absterben begriffen.
Die Vogelbeere oder Eberesche kann auf den kahlen Flächen im Bannwald Hoher Ochsenkopf als Pionierbaum Fuß fassen.
Diese Bergkiefer (Latsche) hat den Hohen Ochsenkopf vor dem Heranwachsen der Fichte besiedelt und ist durch den starken Konkurrenzdruck der Fichte bereits seit einigen Jahren abgestorben.
Am Gipfel des Hohen Ochsenkopfs sieht man noch die Überreste einer früheren touristischen Ära, die Steine des früheren Aussichtsturms. Sogar eine Informationstafel ist noch vorhanden.
Auf der Gipfelkuppe des Hohen Ochsenkopfs hat der Borkenkäfer ganze Arbeit geleistet. Fichtenskelette ragen in den Himmel.
Ohne Totholz hätten sich diese Pilze nicht ansiedeln können.
Manche Waldpartien im Bannwald Hoher Ochsenkopf wirken geradezu gespenstisch.
Jedoch wachsen im Bannwald Hoher Ochsenkopf überall Jungbäume in großer Zahl nach.

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