Sonntag, 24. Januar 2010

Naturschutzgroßprojekt Nordschwarzwald erhält keine Bundesförderung - wie geht es nun weiter?

Im Rahmen eines Wettbewerbs "IDEE.NATUR" hat das Bundesamt für Naturschutz dazu aufgerufen, dass aus den einzelnen Regionen Projekte gemeldet werden, die als zukünftige Naturschutzgroßprojekte vom Bund Fördergelder erhalten.

Auch die Region Nordschwarzwald hat sich mit einem Projekt beworben. Hierbei hat es die Region in der ersten Wettbewerbsstufe im Mai 2008 unter die besten zehn von 122 teilnehmenden Gebieten geschafft, die ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro erhielten. Dies ist allerdings nicht zu vergleichen mit den Millionen von Fördergeldern, die den ersten fünf Regionen winken, die im Rahmen einer zweiten Wettbewerbsstufe ausgewählt wurden. So stehen zur Zeit jährlich 14 Millionen Euro Bundesgelder für die Naturschutzgroßprojekte zur Verfügung. In der zweiten Wettbewerbsstufe im Juni 2009 hat es das Naturschutzgroßprojekt Nordschwarzwald leider nicht unter die ersten fünf geschafft. Damit ist nicht klar, wie es mit dem Flächennaturschutz im Nordschwarzwald in den kommenden Jahren weitergehen wird.


Die fünf ausgewählten Regionen, die in den kommenden Jahren mit vielen Millionen Euro Fördergelder der Bundesregierung rechnen können, sind:

  • Allgäuer Moorallianz (Bayern)
  • Schwäbisches Donautal (Bayern)
  • Nordvorpommersche Waldlandschaft (Mecklenburg-Vorpommern)
  • Landschaft der Industriekultur Nord (Saarland)
  • Hohe Schrecke (Thüringen)
Im Rahmen des Naturschutzgroßprojekts Nordschwarzwald wäre unter anderem geplant gewesen, zum Schutz des Auerhuhns lichte Mischwälder mit alten Baumbeständen und Totholzinseln zu fördern. Zudem sollten die bestehenden Bannwälder durch Sukzessionsflächen ergänzt werden, die sich zu Gebieten mit Wildnischarakter entwickeln sollen.

Leider ist es nun zunächst nicht klar, ob diese Maßnahmen auch ohne Bundesförderung umgesetzt werden können. Eine diesbezügliche Absichtserklärung von den Initiatoren liegt zwar vor, jedoch bleibt die weitere Entwicklung abzuwarten.

Es wäre einfach zu schön gewesen, wenn die seit einigen Jahren anhaltende Blockade bei der weiteren Wildnisentwicklung im Nordschwarzwald durchbrochen worden wäre. Seit einigen Jahren ist im Nordschwarzwald kein weiterer Bannwald mehr ausgewiesen worden. Auch landesweit scheint die Bannwaldausweisung ins Stocken geraten zu sein. Der letzte ausgewiesene Bannwald war der Bannwald Spitzberg bei Tübingen im September 2008. Dabei ist die Forstbehörde von ihrem selbstgesteckten Ziel, ein Prozent der Waldfläche von Baden-Württemberg als Bannwald auszuweisen, nach wie vor weit entfernt.

Jeder zusätzliche Quadratmeter Wildnis im Nordschwarzwald wäre zu begrüßen gewesen. Bei der aktuellen Entwicklung ist nicht klar, ob die Bewohner und Besucher Baden-Württemberg`s in absehbarer Zeit auf genügend großer Fläche verfolgen können, wie die potenziell natürliche Vegetationsentwicklung im Nordschwarzwald vonstatten geht. Und es ist nicht klar, ob die Tausenden von Tier- und Pflanzenarten mit ihren unersetzlichen Genresourcen, die auf wilde Wälder angewiesen sind, in Baden-Württemberg langfristig eine Überlebenschance haben werden.

Unweigerlich kommt nun das Projekt "Nationalpark Nordschwarzwald" wieder ins Blickfeld. Die aktuelle Landesregierung von Baden-Württemberg scheut dieses Projekt und tut alles, um diesbezügliche Diskussionen im Keim zu ersticken. Dabei ist Baden-Württemberg zusammen mit dem Bundesland Rheinland-Pfalz inzwischen das einzige große Flächenland der Bundesrepublik, das nicht über einen Nationalpark verfügt. Auch europaweit ist Baden-Württemberg inzwischen eine der ganz wenigen Großregionen ohne Nationalpark.

Nun haben die Bürger von Baden-Württemberg allerdings genauso wie alle anderen Bürger Europas das Recht, einen Nationalpark in der Nähe zu haben. Und Baden-Württemberg hat wie alle anderen Regionen die Pflicht, wenigstens auf zum Beispiel drei Prozent der Fläche eines geeigneten Großraums ein Groß- und Prozessschutzgebiet auszuweisen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass in zehn bis zwanzig Jahren der Nationalpark Nordschwarzwald Realität sein wird. Es ist auch ein Szenario denkbar, dass zum Beispiel die Unesco in zehn bis zwanzig Jahren die Bundesrepublik Deutschland und damit Baden-Württemberg dringend dazu aufruft bzw. sogar dazu verpflichtet (je nach dem Stand der weltweiten Naturschutzübereinkommen), den Nationalpark Nordschwarzwald auszuweisen. Ich habe allerdings die Hoffnung, dass die Landesregierung von Baden-Württemberg selbst noch rechtzeitig den richtigen Weg einschlägt.

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