Montag, 26. April 2010

Der Titisee (Teil 2)


Im Post vom 24.04.2010 in diesem Blog war der Titisee als Naturphänomen das Thema. Im heutigen Post geht es darum, was der Mensch aus dem Titisee gemacht hat sowie darum, wie sich der See den Touristen heute präsentiert.

Der Titisee behört zu den bekanntesten Naturzielen des Schwarzwalds und ganz Deutschlands. Praktisch täglich findet man im Ort Titisee und am Nordostufer des Sees eine große Touristenschar vor. Auffallend ist der hohe Anteil der Besucher aus Übersee.

Vor diesem Hintergrund gibt es überhaupt keine Einwände, dass das Nordostufer des Sees vornehmlich dem Tourismus gewidmet ist. Im Gegenzug erwartet man jedoch, dass die übrigen Ufer des Sees einigermaßen naturbelassen sind bzw. dass alle Anstrengungen unternommen werden, um diesen Zustand wiederherzustellen.


Leider ist der Titisee in seiner Gesamtheit ziemlich beeinträchtigt. Am Südostufer wird intensiv Forstwirtschaft betrieben. Kahlschläge, verschmutzte Wege, versperrte Seesicht und eine Beeinträchtigung des Naturgenusses sind die Folge. Am Süd- und Südwestufer fressen sich Campingplätze immer weiter in die Natur hinein. Und auf einem Drittel des Rundwegs ist es nicht möglich, am See oder wenigstens in Sichtweite des Sees zu gehen. Statt dessen geht man hier auf einem Gehweg entlang einer vielbefahrenen Straße ohne Seesicht.

Der Titisee will in der Weltliga der Natursehenswürdigkeiten spielen. Das sei den Tourismusverantwortlichen und Anwohnern gegönnt. Man sollte dann aber auch erwarten können, dass sich der Titisee in einem Zustand befindet, wie dies bei vielen der Welt-Natursehenswürdigkeiten der Fall ist. Und dieser Zustand ist so, dass es einerseits einen für den Tourismus voll erschlossenen Bereich gibt, dass aber andererseits sich der größere Teil der Natursehenswürdigkeit in einem weitestgehend naturbelassenen Zustand befindet.
Und in diesem Sinne muss man sich fragen, was denn die forstwirtschaftlichen Aktivitäten am Titisee-Seeufer eigentlich sollen. Kann man denn nicht die wenigen Quadratmeter der an den See angrenzenden Waldflächen in einem natürlichen Zustand ohne menschliche Beeinflussung belassen? Und man muss sich auch fragen, warum es nach über 100 Jahren Schwarzwald-Tourismus noch nicht gelungen ist, den Seeuferweg durchgehend am Seeufer entlangzuführen. Klar, da mag es Privatgrundstücke geben. Aber ist das ein hinreichender Grund für die Missstände, denen man tagtäglich die vielen hundert Wanderer und Spaziergänger aussetzt?
Noch kommen die Touristen in Massen. Aber ob das dauerhaft so bleibt, sei einmal dahingestellt. Ein Aktionsplan Titisee täte Not. Tourismus-Verantwortliche sowie die zuständige Kommune und das Regierungspräsidium sollten sich ernsthaft Gedanken machen, wie der Titisee mittelfristig in einen Zustand überführt werden kann, dass sich auch in fünfzig Jahren ein Besuch des Sees noch lohnt.
Das Nordostufer des Titisees ist dem Massentourismus gewidmet. Ein breiter Boulevard, viele Geschäfte und Restaurants sowie kommerzielle Aktivitäten bestimmen hier das Bild.

Am Nordostufer des Titisees sind die Anlegestellen für den Schiffs- und Bootsverkehr.
Obwohl der Titisee als der größte natürliche See des Schwarzwalds gilt, wird der Abfluss aus dem See reguliert und gestaut. Eine Tafel vor Ort gibt als Begründung an, dass das Wasserregime des Titisees durch Bachableitungen zum Schluchsee beeinträchtigt ist.

Entlang des Seerundwegs am Südostufer stößt man auf intensive forstwirtschaftliche Aktivitäten. Das Holz ist teilweise zwischen dem Weg und dem See deponiert. Das beeinträchtigt die Sicht auf den See nicht unwesentlich.

Obwohl der Schwarzwald-Tourismus bereits über 100 Jahre alt ist, ist es bisher nicht gelungen, den vielbeworbenen Titisee-Rundweg durchgehend einigermaßen naturbelassen am See entlangzuführen. Ein Drittel des Seerundwegs verläuft entlang einer regelmäßig befahrenen Straße.
Fast wie eine Erlösung erscheint dem Titisee-Rundwegwanderer am Ende des Wegs der Kurpark von Titisee, durch den die letzten Meter des Rundwegs führen.

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