Donnerstag, 15. April 2010

Naturschutzgebiet Hesel-, Brand- und Kohlmisse bei Oberreichenbach


Unter dem etwas umständlichen Namen "Hesel-, Brand- und Kohlmisse" verbirgt sich ein Naturschutzgebiet, das ein leicht vermoortes Waldgebiet im nordöstlichen Schwarzwald schützt.

Der Begriff "Misse" ist vielen Menschen nicht bekannt. Eine Misse ist ein schwaches Moor. Der Unterschied zwischen einer Misse und einem Moor ist die Dicke der Torfschicht. Bei einer Misse ist die Torfschicht nur maximal 30 bis 40 Zentimeter dick. Dies ermöglicht es verschiedenen Pflanzenarten, über die Wurzeln weiterhin Kontakt zum mineralhaltigen Boden aufzunehmen. Bei einem Hochmoor ist die Torfschicht so dick, dass die Wurzeln der Pflanzen nicht mehr bis zum Boden durchkommen.


Ein Schwerpunkt des Vorkommens von Missen im Schwarzwald ist der Landkreis Calw. Die abflussarmen Buntsandsteinhochflächen führten dort in Verbindung mit den häufigen Niederschlägen verbreitet zur Bildung von schwach vermoorten Flächen.

In den achziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts fanden umfangreiche Untersuchungen und Kartierungen der Missen statt. Über 150 Missen wurden kartiert. In der Folge hat man im Jahr 1993 drei aneinandergrenzende Missengebiete unter Naturschutz gestellt. Das Naturschutzgebiet Hesel-, Brand- und Kohlmisse hat eine beachtliche Größe von 196 Hektar. Es befindet sich auf der Buntsandsteinhochfläche zwischen dem Enz- und dem Nagoldtal südwestlich von Oberreichenbach.

Man kann das Naturschutzgebiet auf Forstwegen erkunden. Einen Rundweg um das gesamte Gebiet gibt es nicht. Vielmehr muss man, will man das gesamte Gebiet sehen, auf verschiedenen Wegen im Gebiet hin und hergehen. Der Hauptausgangspunkt für das Naturschutzgebiet ist der Parkplatz an der Straße von Würzbach nach Agenbach. Am Waldrand unmittelbar hinter Würzbach befindet sich rechts der Straße ein beschilderter Parkplatz. Dort sind Informationstafeln über das Gebiet sowie über den Naturpark Schwarzwald Mitte / Nord aufgestellt.

Nur wenige Meter vom Hauptausgangspunkt entfernt kommt man zu einer beschilderten Fläche im Wald, die sofort als etwas besonderes erkennbar ist. Auf dieser Fläche wurde im Jahr 1986 die historische Streunutzung der Wälder wiederaufgenommen. Alle paar Jahre wird der Strauchbewuchs im Wald entfernt. Diese Biomasse wurde früher zur Stalleinstreu genutzt. Durch die regelmäßige Entnahme von Biomasse ergeben sich nährstoffarme Böden, die wiederum ein typisches Waldbild erzeugen.


Ein Gang durch das Naturschutzgebiet bietet an vielen Stellen großartige Waldbilder. Leider gibt es im Gebiet jedoch auch - vor allem auf Privatwaldflächen - weiterhin Fichtenforste und Rückegassen im Wald. Dies zeigt die generelle Problematik der deutschen Wald - Naturschutzgebiete, die einerseits die Natur schützen wollen und andererseits trotzdem die wirtschaftliche Nutzung durch den Menschen zulassen.  

Im Naturschutzgebiet Hesel-, Brand- und Kohlmisse dominiert die Kiefer.
Am Parkplatz an der Straße Oberreichenbach-Würzbach - Agenbach informiert eine Tafel über das Naturschutzgebiet sowie über die Wege im Gebiet. 
Auf diesem ca. 1 Hektar großen Gebiet wird die historische Streunutzung der Wälder weitergeführt.
Für die gemeindeeigenen Wälder im Naturschutzgebiet gelten bestimmte Bewirtschaftungsvorschriften, die unter anderem eine natürliche Waldverjüngung sowie den Verzicht auf Entwässerungsmaßnahmen der Missen beinhalten.

An vielen Stellen des Naturschutzgebiets bieten sich parkartige Waldbilder, die man sonst eher mit anderen Weltgegenden (Mittelmeer, südwestliches Nordamerika) assoziiert.
 

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