Montag, 7. Juni 2010

Huzenbacher See bei Baiersbronn-Huzenbach


In den unendlichen Wäldern westlich des Murgtals befindet sich der Huzenbacher See. Der Huzenbacher See ist ein Karsee. Der See hat eine Naturgeschichte und eine vom Menschen beeinflusste Geschichte.

Die Naturgeschichte des Huzenbacher Sees beginnt während der letzten Eiszeit vor ca. 20.000 Jahren. An den Nordosthängen des Schwarzwalds sammelten sich damals große Schneemengen an, die durch ihr Gewicht langsam zu Eis wurden. Das Eis begann sich in Bewegung zu setzen, ein kleiner Gletscher entstand. Der Gletscher hobelte die Bergflanke ab, eine Mulde, ein Bergkar wurde gebildet. Das abgehobelte Gestein sammelte sich am Schmelzpunkt des Gletschers an und bildete dort einen hohen Wall, eine sogenannte Endmoräne. Nach dem Abschmelzen des Gletschers am Ende der Eiszeit bildete sich in der Karmulde, unterstützt durch die wie eine Staumauer wirkende Endmoräne, ein See. 


Unmittelbar am Ende der Eiszeit erreichte der See seine größte natürliche Größe. Im Laufe der Zeit wurde die Seefläche immer kleiner. Einerseits war dafür das aus dem See abfließende Wasser verantwortlich, das eine Kerbe in die Endmoräne fräste. Andererseits stürzten aus der steilen Karwand Steine in den See. Und nicht zuletzt setzte der Prozess der Verlandung ein, der früher oder später aus jedem See ein Moor macht.


Dann gibt es jedoch auch noch die jüngere, vom Menschen beeinflusste Geschichte des Sees. Während der Hochzeit der Holzwirtschaft mit dem Holztransport auf der Murg wurde der See als sogenannte Schwallung genutzt. Der See wurde künstlich gestaut. Die gestauten Wasser des Sees wurden gezielt abgelassen und führten zu Hochwasser auf der Murg. Das wiederum war erforderlich, um die großen Holzstämme talwärts transportieren zu können.

Im Sommer 1895 baute die Forstverwaltung einen zwei Meter hohen Staudamm, um den Wasserablauf besser regulieren zu können und um die Seefläche zu vergrößern. So ein Eingriff wäre heute bei einem Naturdenkmal unvorstellbar. Durch die Erhöhung des Wasserspiegels des Huzenbacher See geschah jedoch etwas Unerwartetes. Die Bereiche des Sees, die bereits verlandet waren (sogenannte Schwingrasen), schwammen im Zuge der Erhöhung des Seespiegels noch oben. Und dort schwimmen sie heute noch. Dadurch hat der Huzenbacher See sein charakteristisches Aussehen erhalten, das ihn von den anderen Karseen des Schwarzwalds unterscheidet. Die Verlandungszonen befinden sich nicht am Rand des Sees, sondern auf der Seefläche. Dann gibt es auf der Wasserfläche des Sees noch Teichrosenbestände, die früher irgendwann einmal in den See eingebracht wurden.

Eine Tafel am Rand des Sees gibt Auskunft: Der Huzenbacher See ist 7,5 Meter tief und 2,7 Hektar groß. Die Fläche des Karbodens ist 5,0 Hektar groß. Der See befindet sich auf einer Höhe von 747 m über NN.

 
Der Huzenbacher See ist auf jeden Fall ein lohnendes Ausflugs- und Wanderziel. Der Zauber des Orts wird - vor allem an den Wochenenden - jedoch durch manchmal etwas laute Besucher gestört. Den See in der Stille erleben zu dürfen, vielleicht mit langsam ziehenden Wolken am Sommerhimmel, umgeben von duftenden Nadelbäumen, das ist in der Tat etwas wunderschönes, ja es ist ein Privileg, etwas, das man sich selbst in einem Luxusladen nicht kaufen kann.

Ausgangspunkt für den Huzenbacher See ist der Teilort Huzenbach der Gemeinde Baiersbronn. Huzenbach liegt direkt an der Bundesstraße B 462 sowie an der Murgtalbahn (Eilzüge halten nicht, sonst Halt auf Verlangen).


Motorisierte Seebesucher können dem See bis auf 2,5 Kilometer nahe kommen. Hierzu fährt man auf steilem Sträßchen hoch zum Ortsteil Silberberg und noch etwas weiter bis zum Wanderparkplatz am Waldrand. Von dort ist der See bei der luxuriösen Beschilderung des Schwarzwaldvereins nicht mehr zu verfehlen. Vom Bahnhof Huzenbach geht man zuerst in den Ort hinein. Vom Ort aus sind es 4 Kilometer sowie 260 Höhenmeter bis zum See. 

Empfehlenswert ist neben einem Besuch des Seeufers auch noch der steile Anstieg durch die Karwand des Sees zum Huzenbacher Seeblick. Vom See aus sind hierfür noch einmal 1,4 Kilometer zurückzulegen sowie weitere 150 Meter Höhenunterschied. Der Blick vom oberen Rand der Karwand auf das blaue Auge des Sees inmitten eines unendlichen Waldmeers ist überwältigend. Beim Aussichtspunkt befinden sich mehrere Bänke und sogar Liegen. 




Inmitten eines Waldmeeres befindet sich der Huzenbacher See.


Die offene Seefläche des Huzenbacher Sees wird von Teichrosen besiedelt.
In der Mitte des Huzenbacher Sees schwimmt eine Schwingrasengesellschaft.
Die Verlandungsbereiche sind am Huzenbacher See nicht am Seerand, sondern in der Seemitte: das macht den See so charakteristisch.
Am oberen Rand der Karwand des Huzenbacher Sees befindet sich dieser Aussichtspunkt.
  
Das Seeauge des Huzenbacher Sees inmitten des Waldmeers des Nordschwarzwalds

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