Samstag, 23. April 2011

Bannwald Wildseemoor - im Reich des Borkenkäfers


Der Borkenkäfer ist ein Bestandteil der Natur. Das festzustellen mag vielleicht manchmal etwas schwer fallen, vor allem dann, wenn man in einem derjenigen Gebiete unterwegs ist, wo der Borkenkäfer in der Lage war, ganze Arbeit zu leisten. In diesen Gebieten kann es aussehen wie beim Weltuntergang: tote Bäume und Baumreste, so weit das Auge reicht.

Es müssen mehrere Dinge zusammenkommen, damit der Borkenkäfer seine Arbeit mit aller Konsequenz verrichten kann. Dazu gehören Fichtenwälder mit einem hohen Anteil von über 70jährigen Bäumen. Und dazu gehört, dass der Mensch nicht in den natürlichen Gang der Dinge eingreift, wie dies zum Beispiel in den Bannwäldern der Fall ist.


Es gibt Menschen, die diese Bilder von abgestorbenen Bäumen nicht ertragen können. Aber eigentlich erfüllt der Borkenkäfer nur eine Aufgabe, die ihm die Natur zugeteilt hat. Und wer weiß, ob diese Fichtenmonostrukturen, wie sie in unseren Wäldern heute oft zu sehen sind, wirklich natürlich sind. Vor diesem Hintergrund arbeitet der Borkenkäfer nicht gegen die Natur. Vielmehr trägt er dazu bei, dass die vom Menschen in der Vergangenheit geschaffenen unnatürlichen Zustände allmählich wieder in richtige Natur überführt werden.

Einer der besten Orte im Schwarzwald, an dem man die Arbeit des Borkenkäfers sehen kann, ist der Bannwald Wildseemoor bei Kaltenbronn. Zusammen mit dem unmittelbar angrenzenden Bannwald Altlochkar-Rotwasser ist dies das zur Zeit größte Bannwaldgebiet in Baden-Württemberg. Freilich ist nur ein Teil des Bannwalds Wildseemoor sichtbar vom Borkenkäfer betroffen. Geht man zum Beispiel auf dem Bohlenweg durch das Wildseemoor, wird man kaum tote Bäume sehen. Anders sieht es im Nordosten des Bannwalds aus. Dort ist der Fichtenwald flächenhaft abgestorben.


Im Bannwald darf man die Wege nicht verlassen. Es gibt jedoch eine gute Möglichkeit, mitten in das Kerngebiet des Borkenkäfers zu kommen. Denn im Nordosten des Bannwalds Wildseemoor gibt es einen kurzen Stichweg, der zu einem Hochstand und zu einer für den Abschuss von Wild freigehaltenen Fläche führt.

So kommt man hin: Ausgangspunkt ist die Weißensteinhütte an der Ostgrenze des Bannwalds Wildseemoor nur wenige Meter südlich des Punkts, wo der Bohlenweg durch das Wildseemoor im Osten endet. Von der Weißensteinhütte nimmt man den in Richtung Norden führenden breiten Forstweg. Links des Forstwegs ist der Bannwald Wildseemoor, rechts des Forstwegs ist der Bannwald Altlochkar-Rotwasser. Der Forstweg macht nach einiger Zeit einen großen Bogen nach Westen. 1,4 Kilometer ab der Weißensteinhütte sieht man nach links einen Weg abbiegen. Dieser Weg führt nach wenigen Metern auf eine Wiese, die sich mitten im Borkenkäfergebiet befindet. Man sollte jedoch nicht von der Wiese in den Wald weitergehen. Dies ist zu gefährlich.

Die Koordinaten der Weißensteinhütte: 48 71 95 N / 8 47 08 E
Die Koordinaten der Wegabzweigung zur Schusswiese: 48 72 59 N / 8 46 11 E
Die Weißensteinhütte ist zum Beispiel von Gernsbach-Kaltenbronn aus in 3,6 Kilometer durch das Wildseemoor hindurchgehend zu erreichen.  

Eine Schautafel am Ostende des Bohlenwegs durch das Wildseemoor bei der Weißensteinhütte zeigt die Ausbreitung des Borkenkäfers im Nordosten des Bannwalds Wildseemoor. Die vom Käfer betroffene Fläche hat sich in den vergangenen Jahren beträchtlich vergrößert. Das Bild zeigt den Stand von 2004. Sieben Jahre später hat man den Eindruck, dass sich die vom Borkenkäfer betroffene Fläche nach 2004 nicht mehr markant vergrößert hat.    
Im Nordosten des Bannwalds Wildseemoor: Wie Stelen ragen die stummen Baumstümpfe in den Himmel.
Einige Bäume sind bereits umgestürzt, andere stehen noch standhaft.
Auf dem Boden kündigt sich bereits eine neue Baumgeneration an.
Wie mag es hier in 10, 20 Jahren aussehen?
Auch die Jungbäume sind größtenteils Fichten. Wird in 70 Jahren das ganze Zerstörungswerk wieder von vorne beginnen?

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