Samstag, 4. Juni 2011

Der Glaswaldsee bei Bad Rippoldsau-Schapbach


Der Glaswaldsee ist einer von ca. zehn Karseen im Schwarzwald. Der See ist nach der letzten Eiszeit entstanden, als ein Gletscher am Osthang der Lettstädter Höhe ein Kar ausgehobelt hat. An der Stirn des Gletschers wurde das mitgenommene Gestein wieder abgelagert. Dort bildete sich ein Gesteinswall, eine sogenannte Endmoräne. Die vom Gletscher bewirkte Vertiefung am Hangfuß hat zusammen mit der Endmoräne einen abflusslosen Bereich entstehen lassen, der nach dem Abschmelzen des Gletschers am Ende der Eiszeit sofort vom Wasser aufgefüllt wurde.

Heute ist der Glaswaldsee nicht mehr vollständig natürlich. Im Jahr 1743 soll die Endmoräne dem Druck des nach langen Regenfällen bis zum Rand gefüllten Sees nicht mehr länger standgehalten haben. Das Wasser riss ein großes Loch in die Endmoräne, der See entleerte sich teilweise. Später hat man das Wasser durch eine Mauer mit Öffnung wieder auf die ursprüngliche Höhe angestaut. Im 18. und im 19. Jahrhundert diente der See als Schwallung. Durch gezieltes Öffnen des Schiebers in der Staumauer hat man einen Teil des Seewassers bachab und in den Fluss Wolf geschickt, um dort den Transport von Holzstämmen zu ermöglichen.


Wegen der Funktion als Schwallung konnten sich am Rand des Glaswaldsees keine Verlandungszonen bilden. Der Glaswaldsee ist heute einer der ganz wenigen Seen des Schwarzwalds, deren Wasserfläche frei von Verlandungserscheinungen ist.

Ein wenig dazu bei trägt sicher auch der rege Tourismus, dem der Glaswaldsee heute ausgesetzt ist. Der See und seine Umgebung wurden im Jahr 1960 zum Naturschutzgebiet erklärt (Naturschutzgebiet Glaswaldsee, 124,4 Hektar). Das Betreten der Seeufer abseits der Wege sowie das Schwimmen im See sind eigentlich nicht erlaubt. Trotzdem sieht man immer wieder Ausflüger, die diese Bestimmungen nicht beachten.

Zum Teil habe ich sogar Verständnis für das Verhalten der Besucher. Denn die Forstwirtschaft ist in der Umgebung des Glaswaldsees auch rege tätig. Man stelle sich das vor: in einem Naturschutzgebiet werden massenhaft Bäume gefällt, selbst die steilen Hänge im Kar rund um den See sind davor nicht gefeit. Die Naturschutzgebiete auf Waldflächen, die man in Baden-Württemberg in den sechziger bis achziger Jahren des letzten Jahrhunderts ausgewiesen hat, sind eigentlich ein Witz. Was wird hier denn geschützt? Es wird Zeit, dass die neue Regierung in BW hier das Ruder herumreißt und Waldschutzgebiete einrichtet, die diesen Namen verdienen. 10 Prozent der Waldfläche in BW sollen sich zukünftig wieder natürlich entwickeln können ohne Einwirkungen des Menschen. Wünschen wir der neuen Regierung für dieses ehrgeizige Ziel viel Erfolg!

Der Glaswaldsee ist ca. 2,7 Hektar groß und bis zu 11 Meter tief.
Bis zu 110 Meter steigen die steilen Karwände vom See aus an.
Eine kleine Staumauer hebt den Wasserspiegel des Glaswaldsees wieder auf die Höhe von vor dem Durchbruch der Endmoräne an.
Ein Wanderweg führt vom Glaswaldsee hinauf auf die Lettstädter Höhe und ermöglicht immer wieder Blicke auf den See.
Vom sogenannten Seeblick zeigt sich ein Teil der Wasserfläche des Glaswaldsees.
Der Hauptausgangspunkt für einen Besuch des Glaswaldsees ist ein Parkplatz östlich unterhalb des Sees. Der Parkplatz ist vom Wolftal (Bad Rippoldsau-Schapbach) auf einer schmalen Straße zu erreichen. Die Straße biegt beim Ortsteil "Vor Seebach" von der Hauptstraße ab.

Vom Parkplatz steigt man auf Forstwegen in einem Kilometer zum See an (Beschilderung). Man kann auf einem nicht markierten Weg um den See herumgehen. Vom See kann man in einem weiteren Kilometer auf die Höhen westlich des Sees (See Ebene, Lettstädter Höhe) auf markiertem Pfad ansteigen. Dort trifft man auf den Westweg (den bekanntesten Fernwanderweg des Schwarzwaldvereins) sowie auf den nagelneuen Renchtalsteig, der wie auch der Westweg mit dem Prädikat Qualitätsweg Wanderbares Deutschland ausgezeichnet worden ist. Von der See Ebene folgt man dem Westweg in 0,4 Kilometern bis zum Seeblick.   

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