Mittwoch, 12. Dezember 2012

Wird auf dem Gipfel des Seekopfs bald ein Staubecken gebaut?


Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat im November 2012 das Raumordnungsverfahren für ein neues Oberbecken des Rudolf-Fettweis-Werks im Murgtal im Nordschwarzwald abgeschlossen. Das neue Staubecken soll auf dem Gipfel des Seekopfs (1.001 m ü NN) gebaut werden.

Das ist selbstverständlich ein schwerer Schlag für alle Menschen, die einen naturbelassenen Schwarzwald mit unverbauten Gipfelzonen mögen. Allerdings wird bis zu einem Bau des neuen Staubeckens noch einige Zeit ins Land gehen. Nach dem Raumordnungsverfahren ist jetzt erst einmal das mehrjährige Planfestgestellungsverfahren abzuwickeln. Das Planfeststellungsverfahren entspricht der Baugenehmigung.


Und ob letztendlich - sollte das Planfeststellungsverfahren positiv abgeschlossen werden können - der neue Stausee dann auch wirklich gebaut wird, steht noch in den Sternen. Denn wir erinnern uns an ein Vorhaben im Südschwarzwald bei Atdorf, das als größtes deutsches Pumpspeicherkraftwerk gilt. Um dieses Vorhaben, das ebenfalls große Auswirkungen auf die Landschaft hätte, ist es in der letzten Zeit stiller geworden. Der Grund dafür ist, dass der Betreiber, die RWE, jetzt plötzlich kein unmittelbares Interesse an diesem Kraftwerk mehr hat.

Vielleicht läuft die Entwicklung im Nordschwarzwald ja ähnlich. Der Seekopf befindet sich zwischen der bekannten Badener Höhe mit ihrem Aussichtsturm und dem Herrenwieser See, einem ebenfalls bekannten und schönen Karsee. Die Schwarzenbach-Talsperre, das bisher bestehende einzige Oberbecken des Rudolf-Fettweis-Werks, befindet sich ebenfalls ganz in der Nähe. Das neue Staubecken käme außerhalb bestehender Schutzgebiete zu liegen. Es gibt in der Nähe ein Vogelschutzgebiet im Rahmen des europäischen Schutzgebietsnetzwerks Natura 2000. Dieses Vogelschutzgebiet erstreckt sich an den Nordhängen von Vorfeldkopf und Badener Höhe, geht über den Badener Sattel und umfasst auch die Streitmannsköpfe. Möglicherweise hat man den Seekopf bei der Festlegung des Vogelschutzgebiets bereits mit voller Absicht ausgespart.

Der Westweg, der bekannteste Fernwanderweg des Schwarzwalds, verläuft über den Seekopf. Er steigt aus der Karmulde des Herrenwieser Sees über die steilste Karwand des Nordschwarzwalds zum Seekopf hinauf. Sollte auf dem Seekopf ein Staubecken gebaut werden, müsste man den Westweg in diesem Bereich auf eine vollständig andere Route legen. Das Mindeste, was als Ausgleichsmaßnahme für das neue Staubecken im Nordschwarzwald erforderlich ist, dürfte die Einrichtung des Nationalparks Nordschwarzwald sein. Damit gibt es also einen Grund mehr, diesen Nationalpark einzurichten.

Die Schwarzenbach-Talsperre mit dem Seekopf im Hintergrund. Auf dessen Gipfel ist ein großes Staubecken geplant.
Druckrohrleitung des Rudolf-Fettweis-Kraftwerks: Sollte auf dem Seekopf ein Staubecken gebaut werden, kämen weitere Rohrleitungen hinzu.
Blick vom Aussichtsturm auf der Badener Höhe hinüber zum Seekopf: Sollte dort ein Staubecken gebaut werden, wäre es mit der Natürlichkeit und der Zivilisationsferne hier oben vorbei.
     

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