Mittwoch, 7. Oktober 2015

Der Kammerloch-Wasserfall bei Baiersbronn-Huzenbach im Nationalpark Schwarzwald

Der Huzenbacher See, ein Karsee und Relikt der letzten Eiszeit bei Baiersbronn-Huzenbach in einem Seitental (Seebachtal) des Murgtals, ist relativ gut bekannt. Nahezu unbekannt ist, dass es im südöstlichen Nachbartal des Seebachtals, dem Dobelbachtal, ebenfalls ein durch eiszeitliche Gletscher ausgehobeltes Kar gibt.  

Dieses Kar wird Kammerloch genannt. Der Boden des Kars heißt Schwarzmiss. Wenn es in diesem Kar jemals einen See gab, ist dieser jedoch längst verschwunden. Der Karboden und auch die beeindruckende Karwand sind vollständig mit Wald bestockt. In der Karwand befindet sich im Bereich einer kleinen Felsstufe der Kammerloch-Wasserfall. 

Das Kammerloch macht es Touristen jedoch schwierig, auf Entdeckungsreise zu gehen. Es gibt praktisch keine Aussichtspunkte, von denen aus man die große und wahrscheinlich durchaus beeindruckende Karform im Überblick sehen kann. Die hohe und große Steilwand des Kars sieht man erst, wenn man sich auf dem Pfad unmittelbar in der Wand befindet. Den Grund des Kars, die Schwarzmiss, ist ebenfalls nur vom Forstweg aus zu erkennen, der unmittelbar am Rand des Kargrunds entlangführt. Auch den Kammerloch-Wasserfall sieht man erst, wenn man sich auf dem Stichweg wenige Meter davor befindet. Es kommt noch hinzu, dass der Wasserfall während des größeren Teils der Zeit nur ein Rinnsal darstellt. Nach starken Regenfällen wird es ein richtiger Wasserfall. Dann aber ist kaum jemand dort unterwegs.


Die Schwarzmiss ist als Geotop ausgewiesen. In der Geotopbeschreibung des Landesamts für Geologie heißt es noch, dass der Geotop schutzwürdig ist. Das hat sich überholt. Denn das gesamte Kammerloch ist seit Anfang 2014 Teil des Nationalparks Schwarzwald.

Der Kammerloch-Wasserfall ist auch als §32-Biotop gemäß Landesnaturschutzgesetz geschützt. In der Biotop-Beschreibung heißt es: "Imposante Erosionsrinne in der Karwand mit Wasserfällen und Bergbach". Und weiter: "Schluchtartiger Steil-Einschnitt in einer Karwand, der durch die Erosionstätigkeit eines im oberen Bereich temporären, ansonsten zumindest dauerhaft schwach schüttenden Bergbaches entstand. Überwiegend felsige, blanke Rinne oder Blockrinne. Der anstehende Fels ist teils kompakt, teils plattig geschichtet. Wasserfälle über mehrere große Stufen unterhalb des Fahrweges. Oberhalb des Weges immer noch mit immens hohem Gefälle und kleineren Felsstufen. Lage in einem Fichtenbestand, am Rand der unbestockten Rinne jedoch auch mit Laubholz. Im oberen Teil Fichtenrandbestockung mit einzelstammweiser Laubholzbeimischung, unterhalb des Weges naturnaher Laubholzsaum mit Fichtenbeimischung. Krautschicht aus Farnen, Wald-Hainsimse, Pfeifengras, viele Moose. Im N liegt eine weitere, jedoch kleinere Rinne."




Lohnt sich ein Besuch des Kammerloch-Wasserfalls denn überhaupt, wenn man das Kammerloch wegen des starken Baumbewuchses praktisch gar nicht sieht? Für Touristen, denen die Weltenferne und Ursprünglichkeit des Gebiets gefällt, lohnt sich ein Besuch. Im Gegensatz zum benachbarten Huzenbacher See wird man kaum einen anderen Besucher sehen. Der Steig durch die Karwand des Kammerlochs gehört zum steilsten und schwierigsten, was das Wegenetz im Schwarzwald zu bieten hat. Gute rutschfeste und wasserdichte Schuhe sind ein Muss. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit ebenfalls.


Wie kommt man hin?
Der Startpunkt für eine Wanderung zum Kammerloch-Wasserfall ist der Haltepunkt Huzenbach der Murgtalbahn Rastatt-Freudenstadt. Achtung: Eilzüge halten nicht in Huzenbach.

Vom Haltepunkt geht man zur nahen B 462, ohne sie zu überqueren. Man wendet sich nach links und überquert auf der Bundesstraßenbrücke die Murg. Dahinter wendet man sich erneut nach links und kommt zu einem Wegweiser des Schwarzwaldvereins. Die weitere Orientierung ist eigentlich ganz einfach. Man folgt ab jetzt bis zum Wasserfall dem Wanderzeichen der Eiszeit-Tour, einer der Himmelswege von Baiersbronn. Das Zeichen ist ein Schneekristall. 

Man folgt dem Talweg murgtalaufwärts bis zum Rastplatz Dobelbach. Dort biegt man nach rechts in das Dobelbachtal ab. Beim Wegweiser Rosshütte verlässt der Wanderweg den Talgrund des Dobelbachtals und steigt als Pfad am südlichen Talhang über die Wegweiser Bärloch und Sauloch hinauf. Das Ziel Kammerloch-Wasserfall ist beschildert. Schließlich kommt man in die steile Karwand und geht im ZickZack weiter aufwärts. Ungefähr auf halber Höhe in der Karwand führt ein beschilderter Stichpfad zum Kammerloch-Wasserfall.

Die Entfernung vom Haltepunkt Huzenbach bis zum Wasserfall ist ca. 4 Kilometer.               


Erst wenige Meter vor dem Kammerloch-Wasserfall gibt der dichte Wald den Blick auf den Geotop und das Biotop frei.
Der Kammerloch-Wasserfall stürzt über eine Felsstufe in einer Rinne hinab. 
Der Kammerloch-Wasserfall ist außer nach starken Regenfällen nur ein Rinnsal.
Pfadspuren führen bis hinter den Wasserfall.
Im Bereich unterhalb des Kammerloch-Wasserfalls ist der plattig geschichtete Buntsandstein im Bachbett wunderschön aufgeschlossen.


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