Sonntag, 31. Januar 2016

Premiumweg Tannenriesen bei Freudenstadt, Teil 1

Der Genießerpfad Tannenriesen wurde im September 2015 vom Deutschen Wanderinstitut e.V. als Premiumweg zertifiziert. Damit hat die Stadt Freudenstadt einen dritten Premiumweg erhalten (nach dem Kniebiser Heimatpfad und dem Kniebiser Klostersteig, wobei der letztere als Premium-Spazierwanderweg zertifiziert ist).

Der neue Premiumweg Tannenriesen hat vom Deutschen Wanderinstitut e.V. 50 Erlebnispunkte erhalten. Damit liegt der Premiumweg Tannenriesen bei den Erlebnispunkten etwas unter dem Durchschnitt aller Premiumwege im Schwarzwald. Der Weg ist gemäß den Angaben des Deutschen Wanderinstituts e.V. 7,9 Kilometer lang und als Rundweg angelegt. Die Stadt Freudenstadt gibt die Länge des Wegs auf ihrer Website mit 9,0 Kilometern an. Einschließlich des Abstechers zur Großvatertanne sind es sogar 11,0 Kilometer. 

Vom Rundweg aus gibt es an zwei Stellen Stichwege, die zu Sehenswürdigkeiten abseits des Rundwegs führen. Das ist einmal der Abstecher zur Waldliegewiese und zum anderen der Abstecher zur Großvatertanne. Der Premiumweg Tannenriesen gehört zur Wegegruppe der Genießerpfade. Bei diesen über den ganzen Schwarzwald verteilten Wanderwegen handelt es sich um Rundwanderwege. Sie verfügen über ein eigenes Wegzeichen, einen stilisierten roten Bollenhut auf blauem Grund, sowie über eigene Wegweiser. Zum größeren Teil verlaufen die Genießerpfade zusammen mit Wanderwegen des Schwarzwaldvereins.  


Der Premiumweg Tannenriesen führt durch den Plenterwald sowie über den aussichtsreichen Kienberg südlich von Freudenstadt. Über eine längere Wegstrecke folgt man einem historischen Wasserkanal. Über erfreulich lange Strecken verläuft der Premiumweg auf Pfaden. Das erfordert einerseits gute Schuhe, ist aber andererseits sehr kurzweilig.

Ein wenig (konstruktive) Kritik darf jedoch nicht fehlen. Das Hauptthema des Wegs, die Tannenriesen, kommt im Wegverlauf nicht richtig zur Geltung. Zum größten Baum des Schwarzwalds, der Großvatertanne, muss man einen längeren Abstecher vom Weg vornehmen. Es gibt zudem keine weiteren Infotafeln, mit denen man im Wegverlauf auf andere große und alte Bäume aufmerksam gemacht wird. Da müsste sich noch was machen lassen - in Form weiterer Infotafeln und einer Übersicht über die im Wegverlauf stehenden einzelnen Tannenriesen.

Die zweite Kritik betrifft die Forstwirtschaft - heute muss man sagen: die Forstindustrie. Zwar mag es im Plenterwald, durch den der Premiumweg Tannenriesen führt, keine eigentlichen Kahlschläge geben. Die heute praktizierte Forstwirtschaft mit ihren schweren Maschinen führt jedoch zu massiven Beeinträchtigungen der Wege, des Waldbodens und des Waldbildes.

Im Herbst 2015 - nur wenige Wochen nach der Zertifizierung des Wegs - war der Premiumweg Tannenriesen wegen forstwirtschaftlicher Arbeiten bereits an zwei Stellen wieder gesperrt. Auf diese Sperrungen wurde an den Startpunkten bei den Infotafeln nicht hingewiesen. Auch auf der Website der Stadt Freudenstadt war hierüber nichts zu erfahren.

Man hat hier den Eindruck, dass einigen Stadt- und Gemeindeverwaltungen bzw. Fremdenverkehrsämtern der Titel Premiumweg und dessen Bedeutung noch nicht ganz klar ist. Ein Premiumweg zieht nicht nur Rechte nach sich, etwa in der Form, dass man damit werben und Besucher anziehen kann. Ein Premiumweg beinhaltet auch Pflichten. Zu diesen Pflichten gehört m.E., dass man während der dreijährigen Gültigkeit der Zertifizierung einen Premiumweg begehbar hält und dafür sorgt, dass von ggf. weither angereiste Besucher diesen Weg dann auch genießen können - ohne in forstindustrielle Tätigkeiten hineinzugeraten oder deswegen die Pläne ändern zu müssen.

Konkret hätte die Stadt Freudenstadt darauf achten müssen, dass während der kommenden drei Jahre im Verlauf des Premiumwegs Tannenriesen eben keine forstwirtschaftlichen Arbeiten stattfinden. Noch besser wäre es, wenn man in einem Korridor beidseits des Wegs generell und zukünftig auf forstwirtschaftliche Tätigkeiten mit Ausnahme der Verkehrssicherung verzichten würde. 

Man kann im Leben und auch in einer Fremdenverkehrsgemeinde eben nicht alles und gleichzeitig haben - einerseits Forstindustrie und andererseits dann auch noch erholungssuchende Besucher aus aller Welt. Man entscheide sich bitte für eine Richtung und verfolge diese dann auch konsequent.

Wie kommt man hin?
Es gibt zwei Parkplätze am Weg, die für motorisierte Besucher als Startpunkt des Rundwanderwegs in Frage kommen. Das ist einmal der Wanderparkplatz bei der Bässler Brücke (Wanderparkplatz Teuchelwald). Man erreicht diesen Parkplatz, wenn man von der Innenstadt von Freudenstadt auf der B 28 in Richtung Kniebis fährt und am Ortsende von Freudenstadt nach links auf die L 405 in Richtung Schömberg abzweigt. Gleich nach der Abzweigung befindet sich der Parkplatz auf der rechten Straßenseite. Allerdings hat dieser Parkplatz werktags eine Parkzeitbeschränkung.

Der zweite Wanderparkplatz heißt Wanderparkplatz Schömberger Straße. Ihn erreicht man wie oben beim Wanderparkplatz Teuchelwald beschrieben. Man folgt der L 405 noch etwas weiter in den Wald hinein. Der Parkplatz befindet sich dann auf der linken (östlichen) Straßenseite.

Ist man mit der Bahn angereist, kann man von der Innenstadt von Freudenstadt zu Fuß hinauf auf den nahen Kienberg gehen und stößt dort auf den Premiumweg Tannenriesen.

Im folgenden Post in diesem Blog wandern wir dann im Verlauf des Premiumwegs Tannenriesen.

Hier gibt es eine Übersicht über die Premiumwege des Schwarzwalds. Von dort sind alle Artikel, die sich in diesem Blog mit einzelnen Premiumwegen beschäftigen, verlinkt.       

Der Premiumweg Tannenriesen bei Freudenstadt gehört zur Gruppe der Genießerpfade im Schwarzwald. Die Genießerpfade haben ein einheitliches Wegzeichen, einen stilisierten roten Bollenhut mit den Schriftzügen "Schwarzwald" und "Genießerpfade" auf blauem Grund mit weißem Rand.
Für die sogenannten Genießerpfade im Schwarzwald haben der Schwarzwaldverein und die Touristik-Ämter einheitliche Wegweiser vereinbart. Die Wegweiser zeigen auch das Wegzeichen des Wanderwegs des Schwarzwaldvereins, dem jeweils zu folgen ist. Die gelbe Raute ist das Wegzeichen für die örtlichen Wanderwege.
Die Wegweiser des Premiumwegs Tannenriesen sind in die Wegweisung der Wanderwege des Schwarzwaldvereins integriert.
Wegzeichen im Verlauf eines gemeinsamen Wegabschnitts des Premiumwegs Tannenriesen mit dem Ostweg des Schwarzwaldvereins (Wegzeichen oben). Der Ostweg ist einer der drei großen Nord-Süd-Fernwanderwege des Schwarzwaldvereins.
Wegzeichen im Verlauf eines gemeinsamen Wegabschnitts des Premiumwegs Tannenriesen mit dem Mittelweg des Schwarzwaldvereins (Wegzeichen unten). Der Mittelweg ist ebenfalls einer der drei großen Nord-Süd-Fernwanderwege des Schwarzwaldvereins. 
An zwei Stellen im Wegverlauf des Premiumwegs Tannenriesen finden sich Infotafeln zu diesem Premiumweg mit einer Kartendarstellung, mit Bildern und mit weiteren Erläuterungen. Dies sind der Wanderparkplatz an der L 405 von Freudenstadt nach Vordersteinwald (Wanderparkplatz Schömberger Straße) sowie der Wanderparkplatz bei der Bässler Brücke am südwestlichen Ortsrand von Freudenstadt bei der Abzweigung der L 405 von der B 28 Freudenstadt-Kniebis (Wanderparkplatz Teuchelwald).
Im Verlauf des Premiumwegs Tannenriesen wurden an einigen Stellen neue Panoramaliegen aufgestellt.
Die Hütte bei der Agnesruhe ist eine von mehreren Schutzhütten im Verlauf des Premiumwegs Tannenriesen.
Kurz nach der Eröffnung des Premiumwegs Tannenriesen gab es bei bestem Wanderwetter im Spätherbst 2015 bereits verschiedene Wegsperrungen wegen Forstarbeiten. Solche Dinge sind nicht gerade das, was die möglicherweise von weither anreisenden Touristen von einem Premiumweg erwarten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen