Donnerstag, 10. November 2011

Polemiken gegen Nationalpark Nordschwarzwald


Wenn man in diesen Tagen in einigen Gebieten im Nordschwarzwald (z.B. in Baiersbronn) unterwegs ist, reibt man sich verwundert die Augen. Am Heck nicht weniger Autos sieht man Aufkleber in grüner Farbe mit dem Schriftzug Nationalpark und einem roten diagonalen Balken. Auf einigen Wiesen sind Transparente mit demselben Inhalt aufgespannt. 

Nach einer ersten Verwunderung steigt jedoch Wut auf. Da versuchen tatsächlich bestimmte Interessengruppen, die Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21 zu kopieren, indem sie deren Aufkleber jetzt in Sachen Nationalpark nachahmen. Aber ist die Bewegung gegen den Nationalpark Nordschwarzwald wirklich eine Bürgerbewegung? Oder stecken dahinter nicht die wirtschaftlichen Interessen einiger weniger?


Zumindest sind die Argumente, die gegen den Nationalpark angeführt werden, längst überholt. Von einem Betretungsverbot des zukünftigen Nationalparks kann keine Rede sein. Im Gegenteil: Wer etwa einen amerikanischen Nationalpark schon einmal gesehen hat, weiß, dass die Einrichtungen für Besucher (Wege, Campingplätze, Informationszentren) in diesen Nationalparks alles übersteigen, was man vom Schwarzwald gewohnt ist. Die Artenvielfalt wird durch einen Nationalpark massiv gefördert. Denn tausende Tier- und Pflanzenarten sind für ihr Überleben auf Wildnis angewiesen. Großflächig absterbende Waldteile wird es im Schwarzwald im Gegensatz zum Bayerischen Wald nicht geben, weil im Schwarzwald die Baumartenzusammensetzung weniger fichtenlastig ist. Nationalparks sind weltweit Anziehungspunkte für Touristen. Mit einem Nationalpark Nordschwarzwald werden Menschen aus aller Welt den Schwarzwald aufsuchen, die bisher dieses Gebiet gemieden haben. Und die Kulturlandschaft im Schwarzwald bleibt trotz Nationalpark erhalten. Denn der Nationalpark wird nur einen ganz kleinen Bruchteil der Fläche des Schwarzwalds einnehmen.

Aber kommen wir noch einmal zum Vergleich zwischen dem Nationalpark Nordschwarzwald und Stuttgart 21. Für den Nationalpark Nordschwarzwald spricht alles, für Stuttgart 21 spricht nichts. Alle Fachleute und zuständigen Organisationen und Institutionen (Bundesamt für Naturschutz, Bundesregierung, EU-Parlament, EU-Kommission, BUND, NABU, Greenpeace, Unesco usw.) haben sich für die Schaffung größerer Wildnisflächen in Baden-Württemberg und insbesondere für den Nationalpark Nordschwarzwald ausgesprochen. Im Gegensatz dazu haben sich fast alle Fachleute, Organisationen und Institutionen gegen Stuttgart 21 ausgesprochen.

Und es gibt noch einen Unterschied. Während die Landesregierung in BW über Stuttgart 21 zerstritten ist (der größere Teil der Landesregierung ist gegen Stuttgart 21, der kleinere Teil ist dafür), herrscht in der Landesregierung über den Nationalpark Nordschwarzwald Einigkeit. Beide Parteien, die die Landesregierung tragen, haben die Schaffung des Nationalparks Nordschwarzwald an vorderster Stelle ihrer Agenda gesetzt.

Wünschen wir also der Politik Standfestigkeit in ihrem Bemühen, dass Baden-Württemberg nicht die einzige Region in Europa ohne Nationalpark bleibt.     

Aufkleber am Heck eines Autos in Baiersbronn

Kommentare:

  1. Ich möchte darauf verweisen das ein Nationalpark im Schwarzwald nicht nur Auswirkung im eigenen Land hat.Wir haben heute einen Holzmarkt der sehr umkämpft ist und und auch den illegalen Holzeinschlag wie unter anderem auch in Rußland beinhaltet. Solche sich plötzlich bietenden Gelegenheiten werden sehr wohl von der Holzmafia beobachtet um sofort reagieren zu können. Aber gerade Sibirien , wo so schon riesige Waldflächen ölverseucht sind, tausende Hektar Wald zur Abholzung an Chinesische Holzspekulanten verkauft wurden und werden die keiner aufforstet,was nicht nur klimatische Auswirkungen hat, sondern auch fatale Folgen für die doprtige Tier und -Pflanzenwelt ,zeigt doch wie egoistisch das Denken der Menschen hier in der Region ist welche solche Problematiken voll außer acht lassen. Jeder Festmeter Holz der nicht im eigenen Land geschlagen wird ,wird anderswo geschlagen, legal oder illegal ,der Holzmarkt braucht ihn.Und jeder Kilometer der für den Transport benötigt wird schädigt die Umwelt. Ist es das was die Befürworter für ein Projekt Nationalpark Schwarzwald wollen?
    Kuno Handtke
    Rheinstetten , Baden Würtenberg
    (khandtke070954@arcor.de)

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    1. Die Befürworter eines Nationalparks Schwarzwald wollen viele Dinge, zum Beispiel:
      1. Die Bundesregierung hat im Rahmen ihrer Biodiversitätsstrategie vorgegeben, dass bis zum Jahr 2020 zwei Prozent der Fläche Deutschlands Wildnis sein oder werden sollen. Ohne Nationalparks wie z.B. im Nordschwarzwald ist dies nicht zu schaffen.
      2. Tausende und Abertausende Tier- und Pflanzenarten sind für ihr Fortbestehen auf Wildnis angewiesen. Wäre die ganze Erde ein Wirtschaftswald, könnten diese Tier- und Pflanzenarten nicht überleben. Die genetische Vielfalt der Erde wäre ernsthaft bedroht und damit das Leben auf der Erde als Ganzes.
      3. Auch nach der Ausweisung eines Nationalparks im Nordschwarzwald sind 98 Prozent der Fläche dieses Mittelgebirges kein Nationalpark. Manchen Leuten reicht es anscheinend nicht, dass der Mensch 98 Prozent der Fläche der Erde beeinflusst. Diese Menschen wollen anscheinend 100 Prozent.
      4. Und noch ein kleines Wort zu Russland. Es mag dort illegalen Holzeinschlag geben. Aber dies als Grund dafür heranzuziehen, dass man in BW keine Wildnisfläche schaffen muss, ist abenteuerlich. Im Übrigen hat Russland riesige und wichtige Nationalparks und Wildnisgebiete. Es geht einfach nicht, dass man als Deutscher immer andere Länder in Sachen Flächennaturschutz kritisiert, aber eigene Verpflichtungen ablehnt.

      Zusammengefasst: am Nationalpark Nordschwarzwald führt kein Weg vorbei. Früher oder später werden die Uno, die Unesco, der Europarat und die EU Deutschland auffordern, diesen Nationalpark einzurichten.

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