Dienstag, 12. April 2011

Wildsee und Hornsee: Hochmoorkolke bei Gernsbach-Kaltenbronn


Das Wildseemoor auf dem Höhenrücken zwischen dem Murgtal (Gernsbach) und dem Enztal (Bad Wildbad) bei Kaltenbronn gilt als das größte Hochmoor Mitteleuropas. Im Moor befinden sich mehrere Seen, sogenannte Hochmoorkolke. Die beiden größten und auch die einzigen, die für die Besucher sichtbar sind, sind der 2,3 Hektar große Wildsee und der 0,7 Hektar große Hornsee

Der Wildsee ist der größte Hochmoorkolk Deutschlands.  Neben diesen beiden Seen gibt es im Wildseemoor noch 18 weitere kleine Kolke. Das Wildseemoor mit den beiden Seen zählt zu den Top Ten - Sehenswürdigkeiten des Schwarzwalds.

Die beiden Seen würde man zunächst an dieser Stelle nicht erwarten. Denn normalerweise liegt ein See in einem Tal, in einer Senke oder Mulde. Beim Wildsee und beim Hornsee verhält es sich gerade umgekehrt. Diese beiden Seen befinden sich an der höchsten Stelle eines Plateaus. Von den beiden Seen fällt das Gelände in alle Richtungen zunächst kaum merklich, später etwas steiler ab.


Wie konnten sich an dieser Stelle nur Seen bilden? Zunächst einmal bildete sich auf dem Hochplateau seit dem Ende der letzten Eiszeit ein Moor. Die Voraussetzungen für die Moorbildung waren und sind günstig: hohe Niederschläge, relativ niedrige Durchschnittstemperaturen, eine weite abflussarme Hochebene und ein wasserundurchlässiger Untergrund (Buntsandstein). Das Moor (Hochmoor) wuchs und wächst immer weiter in die Höhe. Die absterbenden organischen Rest der Torfmoose wurden immer dicker. So konnten die an der Oberfläche wachsenden Pflanzen bald keine Verbindung mehr zum mineralienreichen Untergrund herstellen. Die Pflanzen mussten sich ausschließlich vom Regenwasser und von den in der Luft vorhandenen Stoffen ernähren. Das können nur ganz wenige Pflanzen. So bildete sich im Laufe der Zeit die charakteristische Pflanzenwelt des Hochmoores heraus.

An einigen Stellen des Hochmoors wurde irgendwann das weitere Moorwachstum durch die Einwirkung einer Alge (Verkrustung der Oberfläche) gestoppt. Außerhalb dieser Stellen wuchs das Moor weiter. Mit der Zeit bildete sich dadurch eine Stufe im Moor, die den Abfluss des Regenwassers verhinderte. Dadurch entstanden die größeren und kleineren Hochmoorkolke.

Der Wildsee ist ca. 3 Meter tief. Unter dem Wasser befindet sich eine ca. ein Meter tiefe Schlammschicht, darunter sind ca. zwei Meter Torf. Erst dann kommt der Buntsandstein.

Durch das Wildseemoor führt der längste Bohlenweg des Schwarzwalds (Länge 1,7 Kilometer). Das Verlassen des Bohlenwegs ist nicht erlaubt und auch nicht möglich. Der Bohlenweg führt unmittelbar am Ufer des Wildsees vorbei. Dort befinden sich drei Bänke, die bei schönem Wetter und vor allem an Wochenenden schnell besetzt sind. Der Hornsee ist vom Bohlenweg aus nur zwischen Bäumen hindurch zu sehen.

Der Zauber und die Weltenferne des Wildseemoors gehen bei dem Besucherandrang schnell verloren. Es empfiehlt sich, für einen Besuch des Wildseemoors nicht das Wochenende zu wählen. Auch an Werktagen sind bei schönem Wetter immer Besucher da. Vielleicht sollte man das Wildseemoor einmal werktags bei Regenwetter besuchen oder abends den Sonnenuntergang abwarten und dann mit der Taschenlampe zurückgehen.

Die beliebtesten Ausgangspunkte für das Wildseemoor sind das zu Gernsbach gehörende Kaltenbronn an der Landesstraße L 76 b zwischen dem Enztal und dem Murgtal und der Sommerberg bei Bad Wildbad. Von Kaltenbronn mit Parkplätzen und Linienbusanschluss sind es 2,7 Kilometer bis zum Wildsee. Vom Sommerberg bei Bad Wildbad sind es ca. 7,3 Kilometer bis zum Wildsee. Auf den Sommerberg bei Bad Wildbad fährt eine Standseilbahn, die allerdings wegen umfangreicher Instandsetzungsarbeiten noch bis ca. Herbst 2011 geschlossen bleibt. Auch eine Straße führt auf den Sommerberg, ein Großparkplatz befindet sich unmittelbar unterhalb der kleinen Siedlung.

Hier gibt es eine Übersicht über die Portalgemeinde Bad Wildbad im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord. Von dort sind alle Artikel in diesem Blog, die sich mit Bad Wildbad befassen, verlinkt.
Der Wildsee mit kleiner (links) und großer (rechts) Insel: ein Traum auf den Hochflächen des Nordschwarzwalds
Der Wildsee bei Kaltenbronn im April: der Schnee ist gerade geschmolzhen, noch sind die Moorflächen relativ kahl
Der Hornsee ist kleiner als der Wildsee. Vom Bohlenweg durch das Wildseemoor aus versteckt sich der Hornsee ein wenig zwischen Bäumen.

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